Wenn ich mich gegenüber Fremden beschreiben müsste, würde ich immer sagen, dass ich zurückhaltend und ruhig bin. Wenn mich Menschen beschreiben sollen, die mich schon ein wenig kennen, ist ruhig oder besser entspannt und beobachtend sicherlich ein Punkt, der genannt wird, zurückhaltend aber eher nicht. Ich liebe es mit Menschen zu interagieren, sie kennenzulernen oder einfach eine schöne Zeit miteinander zu haben. An dem Punkt war und bin ich Rheinländerin durch und durch. Ein bisschen Quatschen beim Bier oder in der Bahn kann man mit jeden, egal ob man sich kennt oder nicht und es spielt auch keine Rolle, ob man sich wieder sieht oder nicht.
Tja, und dann kam die Elternzeit.
Raus aus dem gewohnten Tagesablauf und der geliebten Unabhängigkeit, rein in einen fremdbestimmten Tag und die Einsamkeit der Babybubble. 24/7 Mama sein, 24/7 Verantwortung tragen für kleine Wesen und ihre großen Schritte. Kaum noch Gespräche mit Erwachsenen auf Augenhöhe, außer es ging um die Kinder. Keine fachliche Reibung mehr, deutlich weniger Anerkennung und persönliche Erfolgserlebnisse eine Mangelware – meine Erfüllung war das nicht. Meine geliebte Interaktion mit Menschen, die mir Leichtigkeit und Freude bringt, gab es nicht mehr.
Ich habe mich über dem Mama-Sein selber verloren.
Die Ina, die gerne gelacht hat, die offen war und Nächte durch getanzt hat, die Frau, die sich ihrer fachlichen Fähigkeiten bewusst war, die sich nie in der Vordergrund gedrängt hat, aber doch immer präsent war, gab es gefühlt nicht mehr. Okay angefühlt hat es sich nie, ich konnte es allerdings einige Zeit verdrängen. Doch irgendwann ging Verdrängen nicht mehr. Ich wollte wieder ich sein, wieder als Frau wahrgenommen werden auch als eine Person, die etwas zu sagen hat, was nichts mit Kindern zu tun hat.
Ich wollte nicht mehr länger einsam und unsichtbar sein!
Und so ging ich den ersten Schritt. Ich nahm mir wieder Zeit für mich, nahm mich selber wieder wichtiger, wenn auch noch lange nicht wichtig genug. Seit 2 Jahren gehe ich diesen Weg nun schon und ich bin noch nicht am Ziel. Es gibt Zeiten, da flüchte ich mich zurück in den Schatten, der natürlich auch Schutz bietet und dann gibt es aber wieder die Tage, wo ich den Mut finde mich zu zeigen. Wo ich mich traue zu dem zu stehen, was ich machen will.
Hier liegt ein großer Stapel Flyer für meine Workshops. Tja, so richtig getraut mich zu zeigen und sie zu verteilen habe ich mich lange nicht. Doch als ich angefangen habe auf Leute zuzugehen, ihnen zu erzählen, was ich mache und zu fragen ob ich Flyer da lassen darf, kamen nur positive Rückmeldungen und der Schatten wurde wieder etwas kleiner.
Ich möchte nicht länger unsichtbar sein, ich möchte Sonne im Gesicht und im Herzen haben.