Warum vergleichen wir uns – und was das in uns auslöst
Wir müssen reden! Hast du dich schon mal dabei ertappt, wie du durch Instagram scrollst, die glänzenden Küchen, die aufgeräumten Zimmer und die perfekt gestylten Kinder siehst – und plötzlich ein Gefühl von Unzulänglichkeit in dir aufsteigt? Oder vielleicht hörst du von einer Kollegin, die neben ihrem Vollzeitjob noch Marathon läuft, und fragst dich: Wie macht sie das nur?
Ich bin eben durch unser Haus gegangen und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Überall liegt oder steht etwas herum, Spielzeug, Kartons, Wäschekörbe mit Klamotten, die gefaltet und weg geräumt werden müssen, Keksdosen (wahrscheinlich nicht mehr alle voll), gebastelte und gemalte Kunstwerke der Kinder. Wie schaffen es die anderen nur, dass es dort ordentlich ist?
Vergleiche scheinen heutzutage unvermeidlich zu sein. Besonders Frauen, die täglich den Spagat zwischen Familie, Beruf und eigenen Bedürfnissen schaffen müssen, spüren diesen Druck besonders stark. Doch warum vergleichen wir uns überhaupt, und was macht das mit uns?
Der Vergleich: Ein menschliches Grundbedürfnis
Vergleiche sind tief in uns verwurzelt. Schon in der Kindheit lernen wir durch den Blick auf andere, was „normal“ ist, was erwartet wird und wie wir uns verhalten sollten. Dieses Verhalten war evolutionär sinnvoll, denn es half dabei, in der Gruppe zu überleben und dazuzugehören.
Heute allerdings hat dieser Mechanismus ein ganz anderes Ausmaß angenommen. Statt uns mit dem direkten Umfeld zu vergleichen, sehen wir uns täglich durch soziale Medien und Werbung mit einer Vielzahl idealisierter Bilder konfrontiert. Diese sind oft unerreichbar und auch unrealistisch – und trotzdem orientieren wir uns daran.
Wann vergleichen wir uns besonders häufig?
Es gibt bestimmte Situationen, in denen wir besonders anfällig für Vergleiche sind und in denen, sie uns richtig zusetzen können:
- In Phasen der Unsicherheit
Wenn wir uns in einer Übergangsphase befinden – sei es ein neuer Job, die Geburt eines Kindes oder eine Trennung – suchen wir nach Orientierung. Vergleiche helfen uns, unseren Platz in der neuen Situation zu definieren. Leider endet das oft darin, dass wir uns selbst abwerten.
- Wenn wir uns überfordert fühlen
Wenn die To-do-Liste endlos scheint, die Kinder krank sind und im Job eine Deadline drängt, schauen wir auf andere und denken: „Sie schafft das doch auch.“ Dabei übersehen wir, dass wir nur die glänzenden Oberflächen sehen und nicht die Kämpfe, die andere ausfechten.
- In Momenten der Selbstzweifel
Wenn wir uns selbst nicht genug wertschätzen, suchen wir Bestätigung im Außen – oder stellen fest, dass andere vermeintlich „besser“ sind. Das verstärkt die negativen Gefühle oft nur noch mehr.
Was lösen Vergleiche in uns aus?
Der Vergleich mit anderen kann ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrufen:
Selbstzweifel und Minderwertigkeitsgefühle: Du fühlst dich nicht gut genug, hast das Gefühl, immer hinterherzuhinken.
Neid: Du wünschst dir, auch so erfolgreich, attraktiv oder organisiert zu sein. Doch anstatt dich zu motivieren, lähmt dich dieses Gefühl.
Überforderung: Der ständige Druck, mithalten zu müssen, führt dazu, dass du dich noch mehr anstrengst – oft bis zur Erschöpfung.
Unzufriedenheit: Statt die Dinge zu sehen, die gut laufen, konzentrierst du dich auf das, was fehlt.
Wie kannst du aus dem Vergleichs-Karussell aussteigen?
- Sei dir bewusst, wann und warum du dich vergleichst
Erkenne die Situationen, in denen du dich vergleichst, und frage dich: Was genau löst das in mir aus? Oft sind es innere Unsicherheiten oder Bedürfnisse, die dadurch sichtbar werden.
- Wechsle die Perspektive
Anstatt dich abzuwerten, frage dich: Was kann ich von dieser Person lernen? Vielleicht bewunderst du eine Kollegin, weil sie gut organisiert ist. Nutze das als Inspiration, anstatt dich selbst schlechtzumachen.
- Fokussiere dich auf deine Stärken
Mach dir bewusst, was du bereits erreicht hast. Dein Weg ist einzigartig, und das, was du leistest, ist wertvoll – auch wenn es nicht immer perfekt aussieht.
- Entfolge und grenze dich ab
Soziale Medien können eine enorme Belastung sein. Entfolge Accounts, die dir ein schlechtes Gefühl geben, und konzentriere dich auf Inhalte, die dich inspirieren und motivieren.
- Praktiziere Dankbarkeit
Schreib jeden Abend drei Dinge auf, die gut gelaufen sind. Das hilft dir, deinen Fokus auf das Positive zu lenken und weniger nach außen zu schauen.
Meine Entscheidung
Wie ich mich am Ende entschieden habe? Ich habe gelächelt! Denn ja, das Chaos hier nervt und doch zeigt es doch eines ganz deutlich: In diesem Haus wird gelebt! Hier wird getanzt, gelacht, gemalt, gebastelt, gearbeitet und ab und zu auch mal entspannt. Alles was rumliegt und noch nicht erledigt ist, ist ein Zeichen für das Leben hier im Haus und meistens liebe ich all diese Facetten.
Du bist gut genug
Vergleiche sind menschlich – doch sie müssen nicht dein Leben bestimmen. Es ist völlig in Ordnung, nicht alles gleichzeitig zu schaffen und nicht immer perfekt zu sein. Was wirklich zählt, ist, dass du dich selbst respektierst und deine Bedürfnisse ernst nimmst.
Lass den Vergleich mit anderen los und richte den Blick auf das, was dich ausmacht. Denn du bist mehr als genug – genauso, wie du bist.
Du wünschst dir dabei Unterstützung und Begleitung? Dann melde dich gerne bei mir und wir schauen gemeinsam, wie dein eigener Weg aussehen kann.